Märchenzeit

Märchen und Gedichte für die Seele

Ein kleines Stück vom Glück …

Foto gefunden bei: Fenstyle

Es war einmal eine kleine Prinzessin. Sie wohnte in einem wunderschönen Märchenschloss und es fehlte ihr an nichts. Ihre Eltern lasen ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Eigentlich hätte sie das glücklichste und zufriedenste Mädchen auf der ganzen Welt sein müssen und dennoch fühlte sie eine gewisse Leere, eine tiefe Sehnsucht, einen unerfüllten Wunsch in ihr … Was war das?

 

Sie wusste es nicht und deshalb fasste sie den Entschluss sich auf die Suche zu machen … Die Prinzessin, sie hieß übrigens Rosalie, verließ das Schloss und machte sich auf den Weg.

Sie hatte nur das Nötigste eingepackt. Rosalie wusste weder wohin sie ihre Reise führen würde, noch was sie suchen sollte. Gedankenverloren lief sie den steinigen Weg entlang. Sie konnte sich nicht an den schönen, bunten Blumen am Wegrand erfreuen, hörte nicht das fröhliche Gezwitscher der Vögel und bemerkte auch nicht, als ein Wanderer sie freundlich begrüßte. Sie wurde erst aus ihren Gedanken gerissen, als sie auf einem lebhaften Markt ankam. Viele Leute tummelten sich hier und es gab alles, was das Herz begehrte. Angefangen von frischem Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Süßigkeiten, schicker Kleidung bis hin zu wunderschönen Schuhen und Taschen gab es alles zu kaufen. Rosalie hatte die Taschen voller Geld und dennoch wollte sie von diesen Dingen nichts haben. „Na, was darf es für das junge Fräulein sein?“, fragte eine Marktfrau. „Oh“, sagte die Prinzessin. „Alles was ich auf dem Markt gesehen habe, habe ich schon. Nicht einmal die Süßigkeiten sind etwas Besonderes für mich … Ich habe unendlich viele schöne Kleider und Taschen und mein Zimmer ist voll mit Spielzeug. Die Marktfrau schaute sie nachdenklich an und meinte: „Was willst du mehr? Freue dich doch darüber!“ Da mischte sich eine alte, buckelige Frau ein, die das Gespräch mit angehört hatte. „Es fehlt ihr an etwas Wesentlichem … das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen!“ Rosalie war überrascht und interessiert: „Wo finde ich das?“, wollte sie wissen. „Bestimmt nicht hier am Markt, bei all dem Trubel, der Hektik und Unruhe. Mach dich auf den Weg, suche die Stille und hör auf dein Herz, was es dir sagen will. Vielleicht findest du eine Antwort.“, meinte die Frau. Rosalie entschloss sich den Rat der Alten anzunehmen, verabschiedete sich und wanderte weiter.

Sie überlegte, was die alte, weise Frau wohl gemeint haben könnte. Sie wollte die Stille suchen, das war zumindest einmal ein Anfang … So stieg sie auf den höchsten Berg, in der Hoffnung, dort die Stille zu finden. Es war ein langer und beschwerlicher Aufstieg, sie hatte Blasen an den Füßen und war müde und erschöpft als sie am Gipfel ankam. Rosalie machte eine kurze Rast und lauschte. Und da war sie die Stille. Ruhe umgab Rosalie. Sie wollte lauschen und auf ihr Herz hören, so wie es die alte Frau empfohlen hatte. Aber die Ruhe und Stille waren unerträglich, machten sie nervös und ungeduldig. Sie ärgerte sich über die Anstrengungen des Aufstiegs und wollte gerade wieder aufspringen, als ein Wanderer den Gipfel erreichte … „Oh, wie wunderschön …!“, sagte er atemlos. „Der Aufstieg hat sich gelohnt, ich bin zufrieden und glücklich, es geschafft zu haben. Ich werde den atemberaubenden Ausblick genießen und mich daran erfreuen!“ Nun schaute auch die kleine Prinzessin etwas genauer … Sie sah den See, der im Sonnenlicht funkelte, ein kleines Kirchlein und Kühe, die friedlich auf der Weide grasten. Rosalie verweilte noch eine kurze Zeit ehe sie ihre Wanderung wieder fortsetzte. Beim Berg abgehen gingen ihr die Worte des Wanderers durch den Kopf. Er sprach von Zufriedenheit, Glück und Freude. Sie hatte die Worte schon einmal in einem Buch gelesen, konnte aber nichts mit ihnen anfangen. Es schienen keine materiellen Dinge zu sein, da der Wanderer keinen Rucksack mit hatte, in dem er sie tragen hätte können. Die erfrischende Bergluft ließ ihre Gedanken klarer werden. Sie überlegte weiter. „Wie konnten Zufriedenheit, Glück und Freude schmecken? Vielleicht wie Zuckerwatte? Wie mochten sie riechen? Vielleicht wie der zarte Blumenduft im Frühling? Wie würden sie aussehen? Vielleicht wie ein herzliches Lachen? Wie würden sich Zufriedenheit, Glück und Freude anfühlen? Vielleicht wie die liebevolle Umarmung eines geliebten Menschen?“

Vor lauter Nachdenken merkte sie gar nicht, dass sie bereits wieder im Tal angekommen war. Und plötzlich stand sie vor dem glitzernden See, den sie schon vom Berg aus gesehen hatte. Die Abendsonne stand schon sehr tief, die Grillen zirpten und die Mücken tanzten über dem See. Sie lauschte in die abendliche Stille hinein, als plötzlich ein leises Kichern ihre Aufmerksamkeit erweckte … Das lustige Lachen kam von einer kleinen Elfe, die am Seeufer mit den Libellen tanzte. Ihr Tanz war wundervoll anzusehen, unbeschwert, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Sie schienen die Welt um sich herum zu vergessen, tauchten ein in den Moment und waren voller Hingabe und Leidenschaft. Die Prinzessin ließ sich auf einem Stein nieder und beobachtete … Und nun konnte sie ungefähr erahnen, was es hieß zufrieden, glücklich und voller Freude zu sein. Es war ein Gefühl, ein Zustand von Herz und Seele, vielleicht auch eine grundsätzliche Einstellung zum Leben … Nun wusste Rosalie, was ihr gefehlt hatte. Sie erkannte, dass oft hinter den unscheinbarsten Dingen die größten Reichtümer des Alltags lagen und dass materielle Dinge alleine nicht zum Lebensglück und zu einem erfüllten Leben führten. Mit dieser wundervollen Erfahrung machte sich die Prinzessin auf den Heimweg, ihr Herz war ein bisschen leichter und ihre Seele etwas unbeschwerter.

Ich wünsche euch, dass auch ihr zwischen den unscheinbaren Kleinigkeiten verborgene Schätze erkennen und euch daran erfreuen könnt … Möget ihr einen offenen Blick für die kleinen Reichtümer des Alltags haben. Es macht das Leben so viel schöner und lebenswerter!

Seid liebevoll umarmt

Cornelia

2 Kommentare

  1. Hallo Cornelia,

    so schön zum Lesen ihre Märchen. Es hat richtig gut getan.
    Melde mich bald wieder.
    Liebe Grüße Maria Fischer, Laborbekanntschaft 🙂

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