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Es war einmal eine kleine Katze. Sie lebte auf einem schönen Bauernhof am Land umgeben von Wiesen und Feldern. Die kleine Katze, sie hieß übrigens Wilma, lebte dort sehr glücklich mit vielen anderen Tieren. Ihr Lieblingsplatz war der weiche Heuhaufen im Stall. Dort lag sie sehr oft, machte ein Nickerchen und träumte vor sich hin. Manchmal kam der kleine Junge vom Bauernhof daher gesaust und störte diese friedliche Ruhe. Er schnappte die kleine Katze unsanft und nahm sie mit auf den Hof zum Spielen. Aber lange dauerte so eine Episode nie, weil dann der Traktor für den Jungen wieder interessanter war …

Nun, als Wilma da so lag auf ihrem Heuhaufen, vor sich hindöste und dem Nichtstun frönte, träumte sie oft unglaubliche Dinge. Sie träumte davon fliegen zu können. Was für ein Gefühl von Freiheit das doch war sich dort oben in den Lüften zu bewegen, die Welt von oben mit ganz anderen Augen zu sehen und keinen festen Boden unter den Füßen zu spüren. Als sie von ihrem Traum erwachte, war sie sehr aufgeregt und sprang übermütig vom Heuhaufen. Sie wollte unbedingt fliegen lernen, ihren Traum verwirklichen. Aber wer am Bauernhof konnte sie dabei unterstützen? Sie überlegte und zuallererst fielen ihr die Hühner ein. Sie flogen zwar nicht weit, aber immerhin. Vielleicht wussten sie einen Rat. Doch die Hühner nahmen Wilma nicht ernst und gackerten vor Aufregung alle wild durcheinander. Ihr Gegacker machte die Ziege Cilli aufmerksam, die gerade auf der Wiese frisches, grünes Gras fraß. Cilli hob erstaunt den Kopf und schüttelte verständnislos den Kopf: „Eine Katze, die fliegen will, wer hat denn sowas schon mal gesehen?“, meckerte sie. Wilma wollte nicht gleich aufgeben und suchte weiter nach Rat bei den anderen Bauernhoftieren, doch auch der geduldige Hofhund Bello hatte noch nie eine fliegende Katze gesehen. Vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass Bello schon sehr alt war und nicht mehr besonders gut sehen und deshalb keine Katze am Firmament entdecken konnte. Aber Bello machte Wilmas Träume nicht gleich von Anfang an zunichte, sondern meinte: „Gib nicht gleich auf, Kleines. Manche Dinge brauchen etwas Zeit, Geduld und Ausdauer. Mache dich auf den Weg und höre dich um … Ich wünsche dir viel Glück dabei!“ Das kleine Kätzchen wusste, dass sie wohl hier am Bauernhof keine Antwort für ihren Traum vom Fliegen bekommen würde. Sie würde also den Bauernhof, ihr sicheres Zuhause verlassen und die weite Welt erkunden müssen um vielleicht dort eine Antwort zu finden …

So machte sich Wilma auf den Weg. Sie wusste nicht wohin sie ihre Reise führen würde, aber sie war frohen Mutes irgendwo eine Antwort für ihren Traum nach dem Fliegen zu bekommen. Wilma wanderte den Weg entlang, der von bunten Blumenwiesen und Getreidefeldern umsäumt war. Sie lauschte dem Zwitschern der Vögel, dem Summen der Bienen und dem Rauschen des Windes. Plötzlich entdeckte Wilma einen Schmetterling. Ja, dieser Schmetterling flatterte mühelos durch die Luft. Ihn wollte sie um Rat fragen. Aber der Schmetterling war gerade mit Nektar sammeln beschäftigt und nahm die kleine Katze gar nicht wahr. Etwas enttäuscht darüber mit dem Schmetterling nicht ins Gespräch gekommen zu sein, marschierte Wilma weiter.

Schließlich kam sie in einen Wald. Als erstes sah sie ein scheues Reh, das sich aber als freundlicher Zuhörer erwies. „Du bist also auf der Suche nach jemanden, der dir das Fliegen beibringen könnte?“, meinte das Reh interessiert. „Vielleicht fragst du mal die Eichkatzerl. Sie leben in den Bäumen, sind gute Kletterer und springen flink und geschickt von Ast zu Ast.“ „Oh, vielen Dank für deinen guten Rat!“, sagte Wilma freudig.

Es dauerte auch nicht lange und Wilma entdeckte ein Eichkatzerl hoch oben in der Baumkrone. „Nanu, wer bist denn du?“, fragte das Eichkatzerl neugierig. Ich habe dich hier im Wald noch nie gesehen. Wilma erzählte von ihrem Traum, dem Fliegen und das Eichhörnchen hörte geduldig zu. Es schaute das kleine Kätzchen genau an und meinte dann: „Du hast auch einen Schweif, er ist zwar nicht so buschig wie meiner … Du schaust geschmeidig aus und schließlich fehlt dir ja nur das „Eich“ vor dem „Katzerl“ … Wir wollen es also probieren!“ Das kleine Kätzchen übte fleißig, mit vollem Einsatz und unaufhörlich … Aber nach einer Woche musste Wilma feststellen, dass das ganze Training nichts bringen würde, sie würde nie so flink, schnell und weit von Ast zu Ast springen können. Etwas traurig, aber dankbar über diese Erfahrung verabschiedete Wilma sich von der liebevollen Eichhörnchenfamilie. Die kleine Katze machte sich weiter auf ihren Weg …

Sie machte eine kleine Rast auf einer Lichtung und sah weit oben am Himmel einen Adler fliegen. Elegant und beinahe schwerelos glitt er durch die Lüfte. Wie sehr beneidete Wilma den Adler um diese Freiheit, Grenzenlosigkeit und Unabhängigkeit. Gedankenverloren saß die kleine Katze da, beinahe wollte sie ihren Traum vom Fliegen schon aufgeben, als plötzlich eine Hexe fast unbemerkt ihren Hexenbesen abschwang und neben Wilma landete. „Du beobachtest wohl den Adler bei seinem Flug am Himmel?“, wollte die Hexe wissen. „Oh ja, wie wundervoll das Fliegen sein muss!“, schwärmte die kleine Katze. „Du hast Recht, es ist ein besonderes Gefühl durch die Luft zu fliegen, sich den Wind um die Ohren wehen zu lassen und die Welt von oben zu beobachten! Wenn du willst, steige auf meinen Hexenbesen auf und nehme dich mit!“ Wilma traute ihren Ohren nicht. Würde ihr Traum vom Fliegen nun doch noch in Erfüllung gehen!?

Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum! (Tommaso Campanella)

So kam es, dass an diesem wunderbaren, sonnigen Tag eine Hexe und eine kleine Katze auf einem Besen durch die Luft geflogen kamen. Die Freude der kleinen Katze darüber war nicht in Worte zu fassen. Ihr Traum war in Erfüllung gegangen! Die beiden flogen über den Bauernhof, der meckernden Ziege blieb das Gras vor Staunen im Mund stecken und die gackernden Hühner rannten kreuz und quer über den Hof. Unglaublich zu was die kleine Katze fähig war, wer hätte das gedacht!?

Ich wünsche dir, dass du immer einen Traum, ein Ziel oder eine Richtung vor deinen Augen hast. Mögen dich auch manchmal Selbstzweifel plagen oder die Mitmenschen deine Träume in Frage stellen, lass dich nicht gleich entmutigen. Glaube an dich, sei dir selbst treu und bleibe dran!

Alles Liebe

Cornelia